Jincheng, 2024

In der zentralchinesischen Stadt Jincheng (Provinz Shanxi) wurde das Flussbett des Huayuantou-Flusses in ein durchgehendes Wasser- und Parksystem umgewandelt. Es soll den neu entstehenden Stadtvierteln eine räumliche Gliederung geben und die umgebende Natur in die Stadt tragen. Das Planungsgebiet erstreckt sich über 4,3 Kilometer Länge, umfasst ein Einzugsgebiet von etwa acht Quadratkilometern, die Planung erfolgte über 14 Jahre. Als Verfasser des Masterplans und Koordinator eines interdisziplinären Konsortiums aus verschiedenen Fachplanern, darunter Wasserbau- und Verkehrsexperten, war RLA sowohl in der Entwurfsphase als auch in der Baubegleitung federführend involviert.

Das Konzept des Masteplans „Ein Fluss – drei Parks“ sah vor, den Flusslauf als übergreifende, kontinuierliche Idee zu verstehen und drei durch den Flusslauf verbundene Parks mit jeweils unterschiedlichen Charakteren zu gestalten: So repräsentiert der Nordpark mit seinen bewegten Bachläufen das „springende Wasser“, der Ostpark mit seinen stillen Wasserflächen das „ruhende Wasser“ und der Südpark mit seiner großflächigen Uferzone die „urbane Waterfront“. Sowohl die Gestaltung des Wegenetzes als auch die Bepflanzung und Materialität der Oberflächen orientieren sich an dieser grundlegenden Gliederung. Eine Flusspromenade verknüpft die unterschiedlichen Räume wie eine starke Klammer. Sie stellt die Übergangszone zwischen Stadt und Landschaft her.

Ein zentrales Anliegen war die konsequente Umsetzung des Schwammstadt-Prinzips. Dabei standen eine naturnahe Regenwasserbewirtschaftung, der schonende Umgang mit Böden und Vegetation und allgemein eine eingriffsarme und ressourcenschonende Entwicklung im Vordergrund. Im Nordpark dienen elf Wasseraufnahmebecken der Retention, Reinigung und Nutzung von Regenwasser, während Regenwassergärten, ökologische Retentionsstreifen und wasserdurchlässige Pflasterungen die Versickerung und Wiederverwendung fördern.
Besonderes Augenmerk lag auf dem Schutz historischer Strukturen und natürlicher Landschaftselemente. So wurde die aus der Qing-Dynastie stammende Ningjing-Steinbogenbrücke“ sorgfältig um 30 Meter versetzt, um sie in das neue Landschaftskonzept einzubinden und zu bewahren. Um die ökologischen Prozesse zu stärken und das ursprüngliche Landschaftsbild zu erhalten, wurde die Topographie weitgehend unangetastet gelassen und eine Bepflanzung mit einheimischen, an das Klima angepassten Arten vorgenommen.

Zu den besonderen Herausforderungen zählten die geologischen und topographischen Bedingungen des Standorts. Aufgrund der hundertjährigen Kohleabbaugeschichte Jinchengs mussten unterirdische Hohlräume durch das Einpressen von Zementmörtel gesichert werden, um Wasserverluste in den neu geschaffenen Seen zu verhindern. Hinzu kam ein Höhenunterschied von 85 Metern zwischen Nord- und Südbereich des Geländes. Dieser wurde im Nord- und Südpark durch eine Abfolge kleiner, kaskadenförmig angelegter Staubauwerke und im Ostpark durch terrassenartig gestaltete Feuchtgebiete ausgeglichen, die zugleich der natürlichen Reinigung des Wassers dienen. 
Das Projekt wurde 2024 mit dem „Excellence Award“ bei den GHDA Global Habitat Design Awards ausgezeichnet.

Bauherr: Stadtverwaltung Jincheng, Grünamt
Fläche: 80,0 ha
Wettbewerb (1. Preis): 2011
Fertigstellung: 2024