Mit der intensiveren Nutzung urbaner und ländlicher Räume steigen die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit unserer Umwelt. Klimawandel, Energiewende und Wachstum der Städte führen zu stetig zunehmenden Belastungen. Eine zentrale Planungsstrategie, um diesen Herausforderungen zu begegnen, ist die Förderung von "Grüner Infrastruktur".

Unter dem Oberbegriff "Grüne Infrastruktur" (GI) werden verschiedene Maßnahmen zusammengefasst, die darauf abzielen, vernetzte Grünsysteme zu schaffen und die Qualität und Funktionsvielfalt bestehender städtischer Grünflächen zu verbessern. Übergeordnetes Ziel ist es, die Diversität und Resilienz unserer Umwelt zu verbessern, die Auswirkungen des Klimawandels zu begrenzen und das alltägliche Lebensumfeld der Menschen aufzuwerten.

RLA befasst sich auf unterschiedlichen Maßstabsebenen sowohl konzeptionell als auch objektbezogen mit dem Themenfeld Grüne Infrastruktur. Beispiele aus der Planungspraxis umfassen sowohl die Entwicklung integrierter Freiraumkonzepte auf regionaler oder überregionaler Ebene als auch die Umsetzung objektbezogener Planungsprojekte wie z.B. die Offenlegung und Renaturierung von Fließgewässern, die Gestaltung von Grünverbindungen.

Grün-blaue Infrastrukturen vernetzt planen

Konzepte für vielseitig grün-blau vernetzte Freiräume und Landschaften dienen dazu, langfristige Ziele zu formulieren und Maßnahmen abzuleiten, Fördermöglichkeiten zu erkunden und Bewohner einzubinden. Nachhaltig geplante grüne Infrastruktur erkennt man an Freiräumen und Landschaften, die multifunktional und gut zugänglich sind, die Regenwasser speichern und abgeben oder die reich an Biodiversität sind. Wir wollen diese funktionalen Ziele mit ästhetischer Gestaltung verbinden, um individuelle und atmosphärische Orte zu schaffen.

Grüner Stadtring Prag

Um den Verkehr in der Innenstadt von Prag zu entlasten und den urbanen Raum lebensfreundlicher zu gestalten, soll in den nächsten Jahren der städtische Autobahnring (mestsky okruh) vervollständigt werden. Dazu hat ein Team verschiedener Planungsbüros ein multidisziplinäres Konzept erarbeitet. Ziel ist es dabei, die notwendigen Eingriffe in den städtischen und landschaftlichen Raum zu minimieren und mit Kompensationsmaßnahmen eine langfristige Entwicklung vielfältiger urbaner Strukturen zu initiieren. Dabei sind die Grünverbindungen ein zentraler Aspekt. Eingefügt in ein gesamtstädtisches System grüner Infrastuktur, werden sie multifunktional konzipiert.

Entwicklungsplan für grüne Infrastruktur im Bezirk Panyu

Im südchinesichen Distrikt Panyu entstanden in den letzten Jahrzehnten hochverdichtete Stadträume, während die traditionelle, vom Perflussdelta geprägte Kulturlandschaft zunehmend für Bebauung und Erschließung verbraucht wurde. Mit dem Ziel, eine hochwertige Freiraumentwicklung in den Urbanisierungsprozess zu integrieren und Panyu so zu einem Leuchtturmdistrikt ökologischer Stadtentwicklung zu machen, wurde ein Konzept für ein System grüner Infrastruktur entwickelt.

Nature-based solutions

"Nature-based Solutions" oder „naturnahe Lösungen“ sind Planungsansätze, die sich die Eigenschaften von Wasser, Boden, Pflanzen und Mikroben zunutze machen, um gezielt natürliche Prozesse in Gang zu setzen, die dazu beitragen, dem Klimawandel und dem Verlust der biologischen Vielfalt entgegenzuwirken. Beispiele hierfür sind der Ersatz grauer Infrastruktur durch naturnahe Systeme wie die Ableitung und Speicherung von Regenwasser, die Begrünung von Dächern und Fassaden zur Temperaturregulierung oder die Stabilisierung von Oberflächen durch tief wurzelnde Pflanzen, die auch zur Verbesserung der Luft- und Wasserqualität beitragen. Naturnahe Lösungen sind aufgrund des geringen Pflegeaufwandes langfristig kostengünstig. Sie erfordern jedoch einen integrierten Planungsansatz. Wir begleiten den Planungsprozess vom ersten Konzept bis zur detaillierten Ausführungsplanung.

Revitalisierung von Flüssen und Wasserläufen

Fließgewässer sind lebenswichtige Ressourcen im blau-grünen System einer Stadt. Sie bilden ökologische Korridore, die das Stadtklima verbessern, Stadt und Umland miteinander verbinden und den Bewohnern Erholungsräume bieten. Sie können auch als alternative Wege für Fußgänger und Radfahrer dienen. Bei der Planung ist es wichtig, ganze Gewässersysteme zu betrachten und die Breitenwirkung von Eingriffen zu nutzen. Die Revitalisierung von Fließgewässern umfasst die Wiederherstellung naturnaher Ufer, die Schaffung von Lebensräumen und den Einsatz naturnaher Bauweisen zur Steuerung des Wasserflusses und der Wasserrückhaltung. Ingenieurbiologische Bauweisen sind kostengünstig, dauerhaft, selbstregulierend und an unterschiedliche Wasserstände anpassbar.

Schwammstadt und wassersensible Stadtgestaltung

Das Konzept der „Schwammstadt“ (englisch: „Sponge City“) integriert den natürlichen Wasserkreislauf von Niederschlag, Versickerung, Verdunstung und Verdampfung in die Stadtplanung und befähigt Städte, Wasser wie ein Schwamm zu speichern. Regenwasserkonzepte helfen, das Versickerungs- und Speicherpotenzial in urbanen Gebieten zu steuern, indem sie Wasserversorgung und -speicherung mit begrünten Flächen zu einem Schwammsystem verbinden. Durch die Durchlässigkeit und Porosität urbaner Oberflächen werden Wasserspeichervolumina geschaffen, die es ermöglichen, Wasser in das Grundwasser zu versickern, für Pflanzen oder Menschen verfügbar zu machen oder bei Wärmebedarf zu verdunsten. Anstatt Regenwasser in die Kanalisation abzuleiten, wird es vor Ort gespeichert, oft in Kombination mit Pflanzbeeten oder Bäumen, was den Pflanzen auch an besonders trockenen Standorten zugute kommt.