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Auf zum Ostrasee!

Transformation einer urbanen Flußlandschaft

Seit über einhundert Jahren schon fristet die Flutrinne im Ostragehege ihr Dasein als ein einförmiges, rein technisch ausgeformtes Hochwasserschutzbauwerk. Mit rücksichtslosem Eifer zerstörten unsere Vorfahren dafür die natürlichen Wiesen und Gewässer der Elbauen, noch von Caspar David Friedrich als eine liebliche und vielgestaltige Flußlandschaft porträtiert. Aber nun ist die Zeit reif zum Umdenken: Die Rinne wird zum See! In einer Rückbesinnung auf verlorengegangene Werte eröffnet sich die Vision einer völlig neuen Stadtlandschaft. Mit Fischen im sauberen Wasser, Bäumen und Vögeln am Ufer und einem weiten Strand. Die Idee des Ostrasees ist der erste Impuls zu einem langfristigen und nachhaltigen Wandlungsprozeß, der weit über Dresdens Grenzen hinaus eine positive Ausstrahlung entfalten kann.
Projektdaten

Ort: Dresden
Fläche: 47,0 ha
Planung: 2015

Der Ort
Flutrinne 2015 Flutrinne 2015
Ostragehege 1806 Ostragehege 1806
Ostragehege 1863 Ostragehege 1863
Caspar David Friedrich, Das Große Gehege, um 1832 Caspar David Friedrich, Das Große Gehege, um 1832
Ostragehege 2015 Ostragehege 2015
Planung
Vom Altarm zur Flutrinne - Ein verarmter Landschaftsraum
Die Flutrinne am Ostragehege, noch von CasparDavid Friedrich als eine liebliche Flußlandschaft porträtiert, ist im Zuge der Elbregulierung entstanden, als ehemalige Altarme zu einer Hochwasserschutzanlage umgeformt wurden. Nicht nur hier wurde damals eine wertvolle Naturlandschaft mit einer vielfältigen Pflanzen- und Tierwelt dem technischen Fortschritt geopfert. Aus heutiger Sicht ist es überholt, dass das Bauwerk in weiten Bereichen ausschließlich dem Hochwasserschutz dient und nicht auch weitere Funktionen im Sinne einer „Grünen Infrastruktur“ übernehmen kann. Viele Projekte der letzten Jahrzehnte haben eindrücklich bewiesen, dass Hochwasserschutz sowie ökologische und soziale Aspekte sich nicht widersprechen, sondern mit sehr guten Ergebnissen vereinbar sind.

Neue Perspektiven - der Ostra-See
Nach über einhundert Jahren ist die Zeit reif zum Umdenken: Die Rinne wird zum See! Ziel des Konzeptes ist es, die Flutrinne unter ganz neuen Perspektiven zu betrachten und dabei ursprüngliche Qualitäten zurückzugewinnen, aber auch heutige Freiraumnutzungen zu berücksichtigen. Der einförmige Landschaftsraum wird zu einem vielfältigen System aus Gewässern, Gehölzen und Wiesenflächen, naturnahen und parkähnlichen Bereichen umgeformt, ohne den Hochwasserschutz zu vernachlässigen. Hauptelement ist ein ca. 20 ha großer See, der durch Grundwasser bzw. Uferfiltrat gespeist wird. Die gleichbleibend hohe Wasserqualität wird damit auch das Baden ermöglichen. Vorbild für die Transformation sind Flutgerinne an anderen Flußläufen, die als eine permanent durchströmte Wasserfläche angelegt sind (z.B. Elsterflutbecken Leipzig, Neue Donau Wien).

Die Nutzungen - Freizeit und Naturschutz
Die Gestaltung der Ufer und Randzonen berücksichtigt verschiedene Potentiale und Anforderungen. Retentionsraum und Abflußquerschnitt werden im Hochwasserfall nicht durch massive Einbauten oder andere Hindernisse eingeschränkt. Einzelne Gehölzgruppen und eine artenreiche Uferrandvegetation sind jedoch denkbar (z.B. Pillnitzer Elbinsel). Es ist zu erwarten, dass das neu entstehende Gewässer mit seinen Uferzonen sowohl eine hohe ökologische Qualität aufweisen wird, als auch sehr attraktiv für die vielfältigsten Freizeitaktivitäten sein wird. Um potentielle Konflikte von vornherein zu vermeiden, werden die drei Nutzungszonen „Stadtland“, Wiesenland“ und „Wasserland“ weitgehend voneinander getrennt.

Die Entwicklung - Schritt für Schritt
Die Realisierung kann nur schrittweise erfolgen. Dazu sind Begeisterungsfähigkeit und Optimismus, gleichzeitig aber auch ein gehöriges Maß an Realismus vonnöten. Vergleichbare Projekte zeigen aber bereits heute die Machbarkeit. Wenn die wirtschaftlichen Potentiale der Fläche genutzt werden, wird die Umformung auch finanzierbar sein. Mögliche Umsetzungsinstrumente sind z.B. ein gesteuerter Kiesabbau oder auch die Anlage von Ausgleich- und Ersatzflächen in Form von Gewässern oder Pflanzungen. Bei einer schrittweisen Umsetzung der Idee können bereits Teilflächen genutzt bzw. ökologisch wirksam werden, während andere erst später realisiert werden.